Gastbeitrag Dr. phil. nat. Simon Aegerter −
Nein, beliebt war Kopfrechnen noch nie. Die Freude daran wurde vielen in der Schule gründlich ausgetrieben. Offenbar haben die meisten Politiker es sogar ganz verlernt. Sonst hätten sie der Energiewende nicht zugestimmt. Es braucht nämlich keine Computermodelle, um einzusehen, dass das mit der Photovoltaik niemals funktionieren kann. Das kann man im Kopf ausrechnen.
Dazu muss man einige wenige Zahlen kennen, die eigentlich wissen muss, wer über Energiepolitik mitreden will:
- Die Einstrahlung der Sonne senkrecht auf eine Fläche von 1 m2 beträgt auf der Erdoberfläche etwa 1 kW.
- Übers Jahr gerechnet, liefert die Sonne im Schweizer Mittelland soviel Energie wie wenn sie während 800 bis 900 Stunden mit voller Kraft scheinen würde, sagen wir 876 Stunden, weil es einfacher zum Rechnen ist – man wird gleich sehen, warum.
- Solarzellen können 10 bis 14% der Sonnenenergie in Strom umwandeln, nehmen wir an, im Mittel 12%.
Jetzt können wir rechnen:
Das Jahr hat 365 mal 24 gleich 8760 Stunden.
Das heisst, 1 m2 Solarpanel fängt im Mittel eine Leistung ein von 1kW mal 876 durch 8’760 d.h. 100 Watt.
Von diesen 100 Watt wird 12% also 12 Watt in Strom umgewandelt.
Ein Atomkraftwerk vom Typ Gösgen leistet fast das ganze Jahr lang 1’000’000’000 Watt (1’000 MW). Um dieses Atomkraftwerk durch Solarstrom zu ersetzen, braucht es 1’000’000’000/12 m2. Das sind 80 Millionen m2 oder 80 km2.
Die Solarbranche versucht diesen Einwand natürlich mit „in der Schweiz gibt es 400 km2 Dachfläche“ zu entkräften.
Eine andere Rechnung zeigt aber, wo das wirklich unlösbare Problem liegt:
Ein Solarkraftwerk, das im Jahresmittel 1000 MW leistet, (Ersatz für Gösgen) muss im Maximum das 10-fache leisten können (8760 / 876), also 10’000 MW (= 10mal Gösgen). Soviel leistet es an einem sonnigen Mittag im Sommer tatsächlich. Diese Menge Strom kann aber nicht abgenommen werden. Man müsste sie speichern können. Aber dazu haben wir weder die Leitungen, noch die Pumpspeicherkraftwerke mit der nötigen Kapazität, obwohl wir viel besser dran sind als Deutschland.
In Deutschland kann man das Problem bereits beobachten: Die Elektrizitätsversorger, welche den Solarstrom zwangsweise teuer einkaufen müssen („dank“ KEV – „kostendeckende Einspeise-Vergütung“), können ihn nicht verkaufen; sie bezahlen sogar dafür, dass der Strom abgenommen wird. Ein garantiertes Verlustgeschäft.
Damit platzt der Traum von der sonnigen Stromzukunft.
Es ist eine einfache Kopfrechnung.
